Eine kleine Anleitung für all jene, welche in nächster Zukunft eine Bahnfahrt planen...
Für die Zurücklegung etwas weiterer Strecken bietet sich als Auto-loser Mensch ja immer mal wieder die Bahn an. Eigentlich ganz einfach ... mit der Planung geht das Drama dann aber schon los. Erstmal den Compi anwerfen, die Webseite der Bahn ansteuern und 'ne Verbindung 'raussuchen - Willkommen im lustigen Dickicht des Tarif-Dschungels!
Machete raus und rein da ... "Nutzen Sie doch unser neues, transparentes Tarifsystem: Wenn Sie Strecke A
über Strecke B fahren wollen, 2 Kinder dabei haben die aber im Einzugsbereich von Strecke C geboren sind, dann entscheiden Sie sich doch für den Tarif, bei dem Sie sich noch nicht festlegen dürfen, wann Sie wieder zurück wollen, dafür zahlen sie aber dramatische 10% weniger und dürfen ihrer Oma eine Mitropa Kaffemaschine aus dem Speisewagen zum Vorzugspreis klauen!"
Toll.
"Oder entscheiden sie sich für die Variante 'Überraschung', da sparen sie wahnwitzige 20%, dürfen 3 Leute mitnehmen die Sie in Ihrem Leben noch nie gesehen haben und im Gepäcknetz sitzen - Sie brauchen dafür nur das Alter des Busfahrers zu erraten, dem Sie die Bahn-Card gemopst haben, weil der in seiner gummibereiften Kasperbude ja doch kein Ticket braucht!"
4 1/2 Stunden später hab' ich dann das kleinste Übel in Form eines Tickets ausgedruckt und los. Platzreservierung hab' ich - abgelenkt durch die Angebotsvielfalt - natürlich promt vergessen, aber schon im 12. Waggon hab' ich Glück: Ein freier Platz in einem 6er Abteil. 5 Augenpaare schleudern mir ein stillschweigendes, aber visuell nicht zu ignorierendes "verpiss dich bloß" entgegen.
Leicht betreten quetsche ich mich also auf den unbeliebten Mittelplatz, von dem jetzt mindestens 2 Leute ihren Privatkrempel runternehmen müssen - mein Beliebtometer sinkt ins Bodenlose. Ein freundliches Lächeln bringt auch nix, plötzliche Konzentration auf Bücher und Handydisplays bricht aus - oder haben mir meine Eltern verschwiegen dass ich an einer versteckten Form von ansteckender Beulenpest leide?
Egal, hab ich wenigstens meine Ruhe und brauch' mich weder mit meinem Gegenüber über sein Buch "Vogelspinnen - Heute" zu unterhalten oder mit dem Nebenmann die Tücken der SMS-Börsennews zu diskutieren. Fein, dann kann ich ja 'n bisschen was arbeiten.
Also iBook rausgeholt - und vorbei ist es mit der Ruhe. Die beiden älteren Damen am Fenster stören zuerst. "Oh, das ist aber eine hübsche Handtasche, und so ein schöner Apfel drauf. Aber passt da auch genug rein?"
"Herthaaa, das ist doch so 'ne Internet-Maschine !" Süß. Von Links kommt auch promt der erwartete Besserwisser Kommentar: "He, he, der hat ja gar keinen Gigaherz-Prozessor, kaufen Sie sich mal lieber einen PeeeCeee!"
Bevor ich mich dazu herablassen kann Dosen-Kontra zu geben, geht auch schon die Abteil-Tür auf: "Die Faaahrkarten Bitteeee !" Shit, die liegen im Drucker.
Zuhause.
Aber die Schadenfreude gönn' ich ich den Abteil-Kollegen nun doch nicht. "Tolle Sache von der Bahn, Surf & Rail!" verwirr' ich den technisch unversierten Schaffner erstmal "Und so praktisch! Man braucht nicht mal mehr Fahrkarten! Alles voll digital!"
Der Kontrollfuzzi fuchtelt etwas hilflos mit seinem Knipser rum, will sich aber - wie erwartet - nicht durch Ahnungslosigkeit blamieren. Würd' ich auch nicht, mit der Uniform hat man ja eh schon den Beknackten-Status.
Ah, der nächste Bahnhof ist in Sicht und mein Abteil leert sich. Hach, was fahr' ich gerne Bahn!